Die USA haben ihre Angriffe auf Iran fortgesetzt, während Teheran mit neuen Attacken auf Ziele in den Golfstaaten reagiert. Im Zentrum der Eskalation steht zunehmend die Straße von Hormus – und damit eine der wichtigsten Lebensadern der globalen Energieversorgung.
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran erreicht eine neue Eskalationsstufe. In der neunten Nacht in Folge griff das US-Militär nach eigenen Angaben iranische Ziele an. Das Zentralkommando der amerikanischen Streitkräfte erklärte, unter anderem Kommandozentralen, Luftabwehrstellungen, Überwachungssysteme an der Küste sowie Raketen- und Drohnenstellungen ins Visier genommen zu haben. Iran reagierte mit Angriffen auf Bahrain und Kuwait. In Bahrain befindet sich das Hauptquartier der 5. Flotte der US-Marine.
Besonders brisant ist die Situation in der Straße von Hormus. Die schmale Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer und ist für internationale Öl- und Gaslieferungen von enormer Bedeutung. Der Schiffsverkehr ist durch den Konflikt bereits stark eingeschränkt. Irans Revolutionsgarden behaupteten zudem, zwei Öltanker seien nach dem Versuch einer Durchfahrt explodiert und manövrierunfähig geworden. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Auch ein weiteres Schiff soll in der Meerenge in Brand geraten sein.
Die Folgen sind längst an den Energiemärkten angekommen. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg zeitweise auf mehr als 91 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Juni. Später fiel er nach Berichten über diplomatische Kontakte zwischen Washington und Teheran wieder unter die Marke von 90 Dollar. Die starken Schwankungen zeigen, wie nervös Händler und Unternehmen inzwischen auf jede neue Meldung aus der Region reagieren.
Für Europa könnte die Entwicklung besonders problematisch werden. Neben höheren Rohölpreisen drohen Engpässe bei Diesel und anderen verarbeiteten Kraftstoffen. Steigende Energie- und Transportkosten könnten erneut die Inflation anheizen und zahlreiche Branchen belasten. Gleichzeitig bestehen offenbar weiterhin indirekte diplomatische Kontakte zwischen beiden Staaten. Ob daraus eine neue Waffenruhe entstehen kann, ist jedoch völlig offen.




